K-Fall 2002 in Dessau

Geschrieben von Stefan Lohwieser.

Der längste und weiteste Einsatz der Haslacher Feuerwehrgeschichte.

 

 

Veteranen und Reservisten

9 Mann waren aufgebrochen, um den Hochwasseropfern unter die Arme zu greifen. Und obwohl unser LF 8/6 nur Platz hatte für neun, waren viele sofort breit zu helfen. Ursprünglich sollte nach einer Woche die "Ablösung" nachkommen, nochmals neun Feuerwehrler.
Nach Ende des Einsatzes wurden die Heimkehrer irgendwann spaßeshalber zu "Dessau-Veteranen" und die Ersatzmannschaft zu den "Dessau-Reservisten" und deshalb sollen die Reservisten hier natürlich auch erwähnt werden: Martin Thullner, Gerhard Lohwieser, Martin Lapper jun.
 
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Klaus Kropp, Bernhard Hutterer, Michael Schuhbeck, Jürgen Maier, Stefan Siegerstetter
(stehend, von links nach rechts)

Andreas Schuhbeck, Stefan Kaiser, Stefan Breitling, Stefan Lohwieser
(kniend, von links nach rechts)
 
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Pressebericht aus dem Traunsteiner Wochenblatt vom Tag der Abfahrt

380 Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein in Dessau im Einsatz

Unterstützungseinsatz bei der Flutkatastrophe in Sachsen-Anhalt.

Traunstein. 380 Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein sind am Samstag, 17. August mit 62 Einsatzfahrzeugen nach Sachsen-Anhalt aufgebrochen, um die dortigen Feuerwehren in ihrem Kampf gegen das verheerende Hochwasser von Elbe und Mulde zu unterstützen. Vor der Abfahrt des Konvois wurden die Helfer an der Chiemgauhalle von Landrat Hermann Steinmaßl, Oberbürgermeister Fritz Stahl, zahlreichen Bürgermeistern aus den Gemeinden des Landkreises, Kreisbrandrat Hans Gnadl und vielen Familienangehörigen verabschiedet. Vier Tage nach dem Jahrhunderthochwasser an Traun, Tiroler Achen und Salzach hat damit der größte Einsatz außerhalb des Landkreises begonnen, den die Feuerwehren je durchgeführt haben. Einsatzgebiet der Chiemgauer Feuerwehrhelfer ist die Stadt Dessau. Dort, am Zusammenfluss von Elbe und Mulde, wurde am Sonntag, 18. August der Höchststand der Flutwelle erwartet.
Der Festplatz an der Chiemgauhalle war mit Einsatzfahrzeugen zugeparkt als die 380 Freiwilligen, die sich für den Hochwassereinsatz in Ostdeutschland gemeldet hatten, von Landrat Hermann Steinmaßl verabschiedet wurden. Er nutzte die Gelegenheit um sich bei den Feuerwehren für den beispiellosen Einsatz zu danken, den sie und alle anderen Hilfsorganisationen beim Hochwasser im Landkreis Traunstein geleistet hatten. Dass sich nach den Strapazen und Anstrengungen der letzten Tage eine so große Helferzahl auf den Weg in die Hochwassergebiete nach Sachsen und Sachsen-Anhalt mache, um dort zu helfen, verdiene hohen Respekt und Anerkennung, hob der Landrat hervor. "Die Bereitschaft in den Katastrophengebieten zu helfen ist ein großes Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen!"


Auch Kreisbrandrat Hans Gnadl bedankte sich für das außergewöhnliche Engagement der Feuerwehrdienstleistenden. Der Wille und der Tatendrang den Menschen in der Hochwasserregion im Osten zu helfen, verdiene Bewunderung. Gnadl würdigte die Unterstützung der Adelholzener Alpenquellen, der Brauerei Schönram, der Käserei Bergader, der Bäckerei Kotter und der Edeka-Chiemgauer Fleischwaren, die die Verpflegung für die Hilfsmannschaft spendeten und zum Teil Lastwagen mit auf den Weg schickten.
In weniger als 12 Stunden wurde der Hilfseinsatz geplant und organisiert. Am Freitagnachmittag (16.8.) hatte das bayerische Innenministerium ein Hilfsgesuch der von der Flutkatastrophe betroffenen Bundesländer an die Landkreise in Bayern weitergegeben. Dabei wurde um Unterstützung der Feuerwehren vor Ort gebeten, die nach mehrtägigem Hochwassereinsatz erschöpft und ausgelaugt sind und dringend Ablösung und Hilfe benötigen. Mittels eines sogenannten „Landkreisalarms“, der alle Feuerwehren in Alarmbereitschaft versetzte, wurden die Kommandanten und Führungskräfte zu einer Besprechung in das Landratsamt gerufen. Dabei wurde festgelegt, welche Einsatzfahrzeuge sowie Boote, Pumpen, und weitere Gerätschaften entbehrlich sind und zur Hilfe in die Hochwassergebiete entsandt werden können. Die Kommandanten wurden aufgefordert möglichst viele Helfer für einen voraussichtlich einwöchigen Einsatz zu gewinnen. In der Nacht zum Samstag, 17. August wurde bei den einzelnen Feuerwehren eifrig geplant und vorbereitet. Vor allem war mit den Arbeitgebern der Feuerwehrler zu klären, ob für eine Woche Dienstbefreiung gewährt wird. Am Samstag (17.8.) gegen zehn Uhr stand die Mannschaftsstärke fest. Zur großen Überraschung hatten sich 380 Feuerwehrler für die Teilnahme an dem Unterstützungseinsatz gemeldet. Geleitet wird der Einsatz der Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein von Kreisbrandinspektor Manfred Unterstein aus Traunreut. Mit dabei sind auch Stadtbrandinspektor Albert Kutzer, der Kommandant der Feuerwehr Traunstein und Georg Wimmer, Kreisbrandmeister aus Engelsberg.

Am Sonntag, 18.8. um 3 Uhr morgens ist der Konvoi mit den Traunsteiner Helfern in Dessau angekommen. Einquartiert wurden die Feuerwehrler in einer Schule. Zeit zum Ausruhen gab es nach der 15-stündigen Fahrt jedoch nicht. Sofort wurden die Chiemgauer Feuerwehrler eingesetzt, um Dämme mit Sandsäcken zu verstärken und zu verdichten. Am Sonntag um 9 Uhr hatte der Pegel der Elbe 7,02 Meter erreicht (normal sind 2,50 Meter). Auch die Mulde, die im Stadtgebiet in die Elbe mündet verzeichnete steigende Tendenz, so dass die 400 Feuerwehrlern aus dem Landkreis Traunstein sicher den gesamten Sonntag über pausenlos im Einsatz waren.


Kreisbrandrat Hans Gnadl betonte auf Anfrage, dass durch den Unterstützungseinsatz der Feuerwehrler in Sachsen-Anhalt der Schutz der Landkreisbevölkerung uneingeschränkt gewährleistet ist. Rund 4000 Feuerwehrhelfer sind weiterhin einsatzbereit und auch an Fahrzeugen und Geräten mangelt es nicht, um für alle Notfälle gerüstet zu sein. pv.

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380 Feuerwehrler mit 62 Fahrzeugen versammelten sich am Samstag auf dem Festplatz in Traunstein, bevor sie sich auf den Weg zum Hochwasser-Einsatz nach Dessau, der drittgrößten Stadt in Sachsen-Anhalt machten. Noch nie zuvor hatten die Feuerwehren im Landkreis einen größeren Unterstützungseinsatz durchgeführt, als den zur Hilfe bei der Flutkatastrophe in Ostdeutschland.

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Bei der Abfahrt des Fahrzeugkonvois wurden die Helfer verabschiedet. Mit Schwester Theodolinde wurde ein "Vater unser" gebetet und der Leitspruch der Feuerwehren "Helfen in Not ist unser Gebot" bekräftigt, bevor die Feuerwehrler die Fahrt antraten.

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Bei der Verabschiedung auf dem Traunsteiner Festplatz wünschte Landrat Hermann Steinmaßl (mitte, mit Kreisbrandrat Hans Gnadl) den 380 Feuerwehrlern, die zum Einsatz nach Sachsen-Anhalt ausrückten, alles Gute, Gottes Segen und eine gesunde Rückkehr. Traunsteins Oberbürgermeister Fritz Stahl (links) und Franz Parzinger, (rechts) Bürgermeister der Stadt Traunreut waren ebenfalls dabei. Die Feuerwehren aus den beiden Städten stellten die größten Helferkontingente für den Unterstützungseinsatz. (Fotos: P. Volk)

 


 

Pressebericht aus dem Traunsteiner Wochenblatt vom Tag der Abfahrt

Hochmotivierte Feuerwehrler nach 56 Stunden Einsatz nach Hause geschickt

380 Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein mussten vom Hochwassereinsatz in Dessau vorzeitig abrücken.

Hoch motiviert sind knapp 380 Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein am vergangenen Samstag (17.8.) nach Sachsen-Anhalt aufgebrochen, um in der Hochwasserregion um Dessau die dortigen Feuerwehren in ihrem Einsatz gegen die Fluten von Elbe und Mulde zu unterstützen. Nach nur 56 Stunden vor Ort, mitten im Einsatz an aufgeweichten Dämmen, deren Erhalt die Helfer mit allen Kräften zu sichern versuchten, wurde den Feuerwehrlern aus dem Chiemgau von Innenministerium des Landes Sachsen-Anhalt der Einsatzauftrag entzogen. "Die Lage hat sich stabilisiert, die Hilfe der bayerischen Feuerwehren ist nicht mehr nötig," hieß es in einer Faxmitteilung an Manfred Unterstein, der den Verband der 380 Feuerwehrhelfer aus dem Landkreis geleitet hat. Die bis dahin hoch motivierten Traunsteiner zogen daraufhin von den zugewiesenen Einsatzstellen ab und machten sich verärgert und frustriert auf den Heimweg. Dennoch würden alle sofort wieder losfahren, wenn ihre Hilfe im Katastropheneinsatz gebraucht wird. "Die Menschen wachsen bei so einer Katastrophe zusammen," sagt Manfred Unterstein. Der Einsatz in Dessau habe sich für jeden persönlich gelohnt und die Kameradschaft verstärkt, auch wenn es anders gelaufen ist, als erwartet.


Die Entscheidung des Lagezentrums des Innenministerium von Sachsen-Anhalt den Einsatz zu beenden, konnten die Feuerwehrler zuerst gar nicht glauben. Zu einem Zeitpunkt als die Hochwassersituation immer noch äußerst angespannt war, viele der Dämme und Sandsackbarrieren zu brechen drohten, wurde die Feuerwehrler zurückgepfiffen. Das stieß bei den Feuerwehrmännern auf großes Unverständnis und Verärgerung. Die Einsatzleitung des sachsen-anhaltinischen Innenministerium untermauerte die Weisung damit, dass kein Versicherungsschutz mehr für die Helfer bestehe. Albert Kutzer, Kommandant der Feuerwehr Traunstein, war zu diesem Zeitpunkt mit rund 150 Mann damit beschäftigt, einen wichtigen Dammabschnitt zu sichern. Er entschied den Einsatz fortzuführen. "Wir hätten den betroffenen Leuten, mit denen wir Sandsäcke geschleppt haben, nicht mehr in die Augen schauen können, wenn wir einfach gegangen wären." Der Damm sei völlig aufgeweicht gewesen. Dort Sandsäcke anzubringen und den Damm abzudichten sei am Montag abend unaufschiebbar gewesen. "Sonst wäre ein Stadtteil in Minuten abgesoffen." Kutzer und seine Mannschaft machten weiter bis die dringenden Arbeit erledigt waren. Danach blieb das Material der Traunsteiner - Scheinwerfer und Notstromaggregate - auf dem Damm, damit andere Helfer weitermachen konnten. Erst am Dienstag, kurz vor der Abreise, wurde die Gerätschaften abgebaut.


Der Krisenstab sei mit der Situation völlig überfordert gewesen. Rund 7000 Helfer auswärtige Helfer von Feuerwehren, Technischen Hilfswerk und anderen Hilfsorganisationen seien am letzten Samstag (17.8.) in die Stadt "eingefallen", wie Kreisbrandinspektor Manfred Unterstein es beschreibt. Diese und die unzähligen Freiwilligen zu leiten und einzuteilen war beinahe unmöglich. "Niemand hat so eine Katastrophe schon einmal erlebt, geschweige denn einen solchen Einsatz koordiniert. Da kann man dem Einsatzstab gar keine großen Vorwürfe machen!" Dabei seien die Helfer aus dem Landkreis Traunstein in den Tagen, in denen sie in Dessau waren, auch eingesetzt worden. Zwar habe es anfänglich Schwierigkeiten gegeben und es sei auch nicht einfach gewesen, der Mannschaft zu verklickern, dass gewartet werden muss und nicht irgendwo unkontrolliert losgelegt werden kann. Aber die geradezu euphorische Truppe habe das verstanden und akzeptiert, berichtete der Verbandsleiter.


Feuerwehren aus anderen bayerischen Landkreisen wurden bis zwei Tagen überhaupt nicht alarmiert und sind nur in der Sonne gelegen, obwohl sie ihre Hilfe mehrmals angeboten hatten. Einige Feuerwehrverbände fuhren wieder nach Hause ohne auch nur ein einziges mal eingesetzt worden zu sein. Die "Sandsack-Einsatzkommandos", wie sich die Traunsteiner selbst bezeichneten, schleppten mehrere Tausend Sandsäcke an Dämme und Bruchstellen. Mehr als 10 Millionen Sandsäcke wurden in Dessau an Elbe und Mulde in den letzten Tagen verbaut, berichtete Unterstein. Dabei beeindruckte vor allem der Wille und der Einsatz der Menschen, die mit anpackten, wo immer sie gebraucht wurden. An manchen Orten füllten ganze Hundertschaften an Freiwilligen die Säcke ab. "Es sah aus, wie in einem Ameisenhaufen!" Auch beim Transport, zum Teil sogar mit Fahrrädern und Handwagen, sowie beim Einbauen halfen Bewohner und Feuerwehrler zusammen. Sehr herzlich seien die bayerischen Feuerwehrler in Dessau aufgenommen worden. Die Menschen zeigten zudem große Dankbarkeit für die Hilfe der Floriansjünger aus Bayern, betonte Unterstein. Diese Herzlichkeit und die Solidarität bleibt als positiver Eindruck zurück. "Eine solche Katastrophe schweißt zusammen," betont Unterstein. Sicher habe man aus dem Einsatz in Dessau, der der größte war, den die Feuerwehren aus dem Landkreis jemals außerhalb des Kreisgebietes geleistet haben, auch vieles gelernt. Komme es wieder zu solch einem Katastropheneinsatz sei eine längere Vorlaufzeit zur Planung notwendig. So wurde in nur 12 Stunden ein Mammuteinsatz vorbereitet. Das sei einfach zu wenig Zeit. Dass beinahe 400 Freiwillige zusammengekommen sind, habe ihn und die Kreisbrandinspektion überrascht, betonte Unterstein. Beim nächsten mal würde er mit weniger Personal und weniger Fahrzeugen und Gerät ausrücken. Damit könne man sicher ebenso effektiv helfen. Auch wenn es Schwierigkeiten mit dem Krisenstab gab und alle enttäuscht zuhause ankamen, waren sich die Feuerwehrler einig, dass sie sofort wieder ausrücken würden, um Menschen in Not zu helfen. pv.

 


 

Fotos

 

Eine kleine Zusammenstellung unserer Eindrücke

 

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