K-Fall 2002 in Dessau

Geschrieben von Stefan Lohwieser.

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Pressebericht aus dem Traunsteiner Wochenblatt vom Tag der Abfahrt

380 Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein in Dessau im Einsatz

Unterstützungseinsatz bei der Flutkatastrophe in Sachsen-Anhalt.

Traunstein. 380 Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein sind am Samstag, 17. August mit 62 Einsatzfahrzeugen nach Sachsen-Anhalt aufgebrochen, um die dortigen Feuerwehren in ihrem Kampf gegen das verheerende Hochwasser von Elbe und Mulde zu unterstützen. Vor der Abfahrt des Konvois wurden die Helfer an der Chiemgauhalle von Landrat Hermann Steinmaßl, Oberbürgermeister Fritz Stahl, zahlreichen Bürgermeistern aus den Gemeinden des Landkreises, Kreisbrandrat Hans Gnadl und vielen Familienangehörigen verabschiedet. Vier Tage nach dem Jahrhunderthochwasser an Traun, Tiroler Achen und Salzach hat damit der größte Einsatz außerhalb des Landkreises begonnen, den die Feuerwehren je durchgeführt haben. Einsatzgebiet der Chiemgauer Feuerwehrhelfer ist die Stadt Dessau. Dort, am Zusammenfluss von Elbe und Mulde, wurde am Sonntag, 18. August der Höchststand der Flutwelle erwartet.
Der Festplatz an der Chiemgauhalle war mit Einsatzfahrzeugen zugeparkt als die 380 Freiwilligen, die sich für den Hochwassereinsatz in Ostdeutschland gemeldet hatten, von Landrat Hermann Steinmaßl verabschiedet wurden. Er nutzte die Gelegenheit um sich bei den Feuerwehren für den beispiellosen Einsatz zu danken, den sie und alle anderen Hilfsorganisationen beim Hochwasser im Landkreis Traunstein geleistet hatten. Dass sich nach den Strapazen und Anstrengungen der letzten Tage eine so große Helferzahl auf den Weg in die Hochwassergebiete nach Sachsen und Sachsen-Anhalt mache, um dort zu helfen, verdiene hohen Respekt und Anerkennung, hob der Landrat hervor. "Die Bereitschaft in den Katastrophengebieten zu helfen ist ein großes Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen!"


Auch Kreisbrandrat Hans Gnadl bedankte sich für das außergewöhnliche Engagement der Feuerwehrdienstleistenden. Der Wille und der Tatendrang den Menschen in der Hochwasserregion im Osten zu helfen, verdiene Bewunderung. Gnadl würdigte die Unterstützung der Adelholzener Alpenquellen, der Brauerei Schönram, der Käserei Bergader, der Bäckerei Kotter und der Edeka-Chiemgauer Fleischwaren, die die Verpflegung für die Hilfsmannschaft spendeten und zum Teil Lastwagen mit auf den Weg schickten.
In weniger als 12 Stunden wurde der Hilfseinsatz geplant und organisiert. Am Freitagnachmittag (16.8.) hatte das bayerische Innenministerium ein Hilfsgesuch der von der Flutkatastrophe betroffenen Bundesländer an die Landkreise in Bayern weitergegeben. Dabei wurde um Unterstützung der Feuerwehren vor Ort gebeten, die nach mehrtägigem Hochwassereinsatz erschöpft und ausgelaugt sind und dringend Ablösung und Hilfe benötigen. Mittels eines sogenannten „Landkreisalarms“, der alle Feuerwehren in Alarmbereitschaft versetzte, wurden die Kommandanten und Führungskräfte zu einer Besprechung in das Landratsamt gerufen. Dabei wurde festgelegt, welche Einsatzfahrzeuge sowie Boote, Pumpen, und weitere Gerätschaften entbehrlich sind und zur Hilfe in die Hochwassergebiete entsandt werden können. Die Kommandanten wurden aufgefordert möglichst viele Helfer für einen voraussichtlich einwöchigen Einsatz zu gewinnen. In der Nacht zum Samstag, 17. August wurde bei den einzelnen Feuerwehren eifrig geplant und vorbereitet. Vor allem war mit den Arbeitgebern der Feuerwehrler zu klären, ob für eine Woche Dienstbefreiung gewährt wird. Am Samstag (17.8.) gegen zehn Uhr stand die Mannschaftsstärke fest. Zur großen Überraschung hatten sich 380 Feuerwehrler für die Teilnahme an dem Unterstützungseinsatz gemeldet. Geleitet wird der Einsatz der Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein von Kreisbrandinspektor Manfred Unterstein aus Traunreut. Mit dabei sind auch Stadtbrandinspektor Albert Kutzer, der Kommandant der Feuerwehr Traunstein und Georg Wimmer, Kreisbrandmeister aus Engelsberg.

Am Sonntag, 18.8. um 3 Uhr morgens ist der Konvoi mit den Traunsteiner Helfern in Dessau angekommen. Einquartiert wurden die Feuerwehrler in einer Schule. Zeit zum Ausruhen gab es nach der 15-stündigen Fahrt jedoch nicht. Sofort wurden die Chiemgauer Feuerwehrler eingesetzt, um Dämme mit Sandsäcken zu verstärken und zu verdichten. Am Sonntag um 9 Uhr hatte der Pegel der Elbe 7,02 Meter erreicht (normal sind 2,50 Meter). Auch die Mulde, die im Stadtgebiet in die Elbe mündet verzeichnete steigende Tendenz, so dass die 400 Feuerwehrlern aus dem Landkreis Traunstein sicher den gesamten Sonntag über pausenlos im Einsatz waren.


Kreisbrandrat Hans Gnadl betonte auf Anfrage, dass durch den Unterstützungseinsatz der Feuerwehrler in Sachsen-Anhalt der Schutz der Landkreisbevölkerung uneingeschränkt gewährleistet ist. Rund 4000 Feuerwehrhelfer sind weiterhin einsatzbereit und auch an Fahrzeugen und Geräten mangelt es nicht, um für alle Notfälle gerüstet zu sein. pv.

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380 Feuerwehrler mit 62 Fahrzeugen versammelten sich am Samstag auf dem Festplatz in Traunstein, bevor sie sich auf den Weg zum Hochwasser-Einsatz nach Dessau, der drittgrößten Stadt in Sachsen-Anhalt machten. Noch nie zuvor hatten die Feuerwehren im Landkreis einen größeren Unterstützungseinsatz durchgeführt, als den zur Hilfe bei der Flutkatastrophe in Ostdeutschland.

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Bei der Abfahrt des Fahrzeugkonvois wurden die Helfer verabschiedet. Mit Schwester Theodolinde wurde ein "Vater unser" gebetet und der Leitspruch der Feuerwehren "Helfen in Not ist unser Gebot" bekräftigt, bevor die Feuerwehrler die Fahrt antraten.

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Bei der Verabschiedung auf dem Traunsteiner Festplatz wünschte Landrat Hermann Steinmaßl (mitte, mit Kreisbrandrat Hans Gnadl) den 380 Feuerwehrlern, die zum Einsatz nach Sachsen-Anhalt ausrückten, alles Gute, Gottes Segen und eine gesunde Rückkehr. Traunsteins Oberbürgermeister Fritz Stahl (links) und Franz Parzinger, (rechts) Bürgermeister der Stadt Traunreut waren ebenfalls dabei. Die Feuerwehren aus den beiden Städten stellten die größten Helferkontingente für den Unterstützungseinsatz. (Fotos: P. Volk)